Das Reetdach repräsentiert 4.000 Jahre Siedlungsgeschichte
Das Reetdach gehört zu den ältesten Bedachungsarten der Menschheitsgeschichte. Auch heute noch findet das Schilfrohr zum Schutz vor der Witterung auf Dächern seinen Platz. Reetdachdecker bilden einen sehr spezialisierten Berufszweig. Erfahren Sie hier auf Dachdecker.com alles über dieses nachwachsende Eindeckungsmaterial.

Das Reetdach ist eine der ältesten bekannten Dachdeckungen und ist daher häufig bei geschichtsträchtigen Bauwerken anzutreffen.
Die ersten Reetdächer sind bereits um 4.000 vor Christi Geburt vorgekommen, was durch Funde am Bodensee nachgewiesen werden konnte. Damals deckten die Menschen ihre zum Schutz vor Feinden auf Pfählen im Wasser errichteten Wohnstätten mit dem Schilfrohr. Sie nutzten den im nahegelegenen Sumpfgebiet wachsenden Baustoff, um ihre Häuser gegen die Witterung optimal zu wappnen. Der große Erfolg des Materials als Dacheindeckung liegt vor allem an seinem hohen Siliziumgehalt. Dem ist es zu verdanken, dass die meisten Tiere die Schilfhalme als Nahrung meiden, obwohl sie sehr nährstoffreich sind. Darüber hinaus bietet Silizium eine erhöhte Resistenz gegen einen schnellen Verrottungsprozess. Das mit Schilf eingedeckte Dach gilt zwar als weiche Eindeckung, dennoch ist durch den Silizium-Anteil die Reetdach-Haltbarkeit deutlich erhöht.
Ein Reetdach kann bis zu 40 Jahre halten
Verglichen mit einem traditionellen Strohdach ist das Reetdach deutlich langlebiger. Die Reetdeckung hat eine Haltbarkeit von etwa 30 bis 40 Jahren. Damit dies jedoch auch gewährleistet ist, müssen sowohl beim Bau als auch bei der Erneuerung der natürlichen Bedachung wichtige Regeln beachtet werden. Die größte Gefahr für eine Dachdeckung aus Reet stellen Pilze, Pflanzenbewuchs und Tierbefall dar. Gefördert wird diese vor allem durch lang anhaltende Durchfeuchtung des Reets. Wenn jedoch die Richtlinien gewissenhaft befolgt werden, wie von einem spezialisierten Reetdachdecker, ist ein solches Dach viele Jahrzehnte eine schöne und zudem noch natürliche Bedachungsart.
Jedoch kann es beispielsweise durch Unwetter trotzdem zu Schäden am Dach kommen. Um dann nicht allzu hohen Reparaturkosten gegenüber zu stehen, ist es ratsam, eine spezielle Reetdach-Versicherung abzuschließen, die im Schadensfall einspringt.
Voraussetzung für ein langlebiges Reetdach

Das Reetdach erfordert einen gründlich geplanten und fachgerechten Aufbau, der von speziell dafür ausgebildeten Dachdeckern ausgeführt werden sollte.
Für jede Dachdeckung mit Reet ist jedoch ein gründlich geplanter Reetdach Aufbau die Voraussetzung für eine lang anhaltende Freude am Dach aus Schilf. Zunächst sollte die Sonneneinstrahlung auf das Hausdach nicht durch zu hohe oder dicht stehende Bäume und Gebäude eingeschränkt sein. Dies würde eine schnelle Trocknung bei Durchfeuchtung behindern und könnte zu Schimmelbefall führen. Auch der tragende Dachstuhl ist bereits auf eine bestimmte Dachneigung hin zu konzipieren. So garantiert ein Neigungswinkel von über 45° das ungehinderte Abfließen der Wassertropfen von Halm zu Halm. Dadurch wird nur die oberste Reetschicht feucht und die unteren bleiben trocken. Ein Dachüberstand von mindestens 50 Zentimetern leitet das Regenwasser ausreichend weit vom Mauerwerk entfernt in ein Kiesbett oder ein entsprechendes Leitsystem. Die übliche Regenrinne fehlt traditionellerweise.
Damit das Reetdach lange hält, ist es also wichtig, dass es immer gut belüftet und trocken ist. Das macht es natürlich unverzichtbar, dass das Reetdach über Brandschutz verfügt, der Dach und Haus optimal sichert.
Das Reetdach im Wandel der Zeiten

Das Reetdach ist heute noch eine attraktive und beliebte Dachdeckungsart, die auch bei Neubauten zum Einsatz kommt.
Die Techniken des Aufbaus des Reetdaches haben sich über die Jahrhunderte immer wieder verändert. Traditionell wird ein solches Dach als Kaltdach konzipiert. Dadurch ist es recht zugig und kühl im Dachgeschoss, was zur Folge hat, dass das Reetdach immer sehr trocken ist. Diese Anwendungspraxis ist in den letzten Jahren immer wieder modifiziert und mit den aktuellen Bauvorgaben in Einklang gebracht worden. Um den Dämmschutz der Konstruktion des Reetdach-Hauses zu verbessern, wird das Naturdach heute zweischalig gebaut. Das heißt, außen wird eine Schicht Reet angebracht, innen eine Wärmedämmung. Der so entstehende Luftraum wird durch eine effektiven Hinterlüftung mit zirkulierender Luft versorgt. Dadurch wird Feuchtigkeit abgeleitet und die Trocknung gefördert.
Nicht nur der Reetdach-Aufbau hat sich gewandelt, auch die Einsatzgebiete sind sehr vielfältig geworden. Da sich diese natürliche Bedachung sehr großer Beliebtheit erfreut, gibt es inzwischen auch Fertighäuser mit Reetdach im Portfolio der namhaften Hersteller. Wer nicht über die Möglichkeit oder Voraussetzungen verfügt, ein Reetdach für sein Eigenheim bauen zu lassen, jedoch nicht gänzlich auf das dekorative Schilfdach verzichten möchte, kann auch einen Reetdach Pavillon wunderbar als Blickfang im Garten inszenieren.
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