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Dachfenster

Dachfenster: Das Dachdecker.com Experteninterview

Simone Blaß
Verfasst von Simone Blaß
Zuletzt aktualisiert: 14. Januar 2026
Lesedauer: 12 Minuten
© Dachdecker.com

Dachfenster waren lange Zeit kleine Lichtspender irgendwo auf dem Speicher, auf dem Dinge lagerten, die man gerade nicht brauchte. Heute haben sie sich mit den wandelnden Anforderungen ans Wohnen zu Hightech-Bauteilen entwickelt: mit sehr guten Dämmwerten, smarten Lüftungslösungen, neuen Materialien und immer größeren Formaten.

Einer, der diese Entwicklung seit Jahren aus nächster Nähe begleitet, ist Markus Epping, Marktproduktmanager bei der Roto Frank Dachsystem-Technologie GmbH und Mitglied im Verband Fenster & Fassade. Markus Epping ist eng mit dem Handwerk vernetzt und kennt die Fragen, die Bauherren und Planer wirklich beschäftigen. Im Gespräch mit dachdecker.com erklärt er, worauf man bei Dachfenstern besonders achten sollte, welche typischen Fehler sich vermeiden lassen und was wir in Zukunft noch erwarten können.


Profilbild des Dachfenster-Experten Markus Epping.

ÜBER UNSEREN DACHFENSTER-EXPERTEN

Markus Epping begleitet seit vielen Jahren die Entwicklungen im Dachfenstersegment aus nächster Nähe. Als Marktproduktmanager und Mitglied im Verband Fenster + Fassade ist er eng mit dem Handwerk vernetzt und kennt die Fragen und Herausforderungen, die Bauherren, Planer und Verarbeiter im Alltag wirklich bewegen.

» VFF Verband Fenster + Fassade


Herr Epping, warum brauchen Dachfenster eigentlich einen Einbruchschutz? Über das Dach steigt heute doch wohl kaum noch jemand ein?

Das stimmt und wenn, dann würde er wahrscheinlich eher ein paar Dachziegel entfernen und wäre schneller drin. Der Gedanke an Sicherheit ist hier eher subjektiv. Es existieren zwar Nischenprodukte mit RC2, aber sie sind meist unpraktisch, beispielsweise weil man zwei zusätzliche Schlösser getrennt voneinander bedienen muss. Wenn man Einbruchschutz möchte, dann eignen sich vor allem Alarmgläser und eine Öffnungsüberwachung, die an die Einbruchmeldeanlage angeschlossen wird.

Welche Zusatzfunktionen sind denn stattdessen sinnvoll? Möglicherweise auch, wenn ich ein bestehendes Dachfenster nachrüsten möchte?

Inzwischen ist es ja so, dass sich bereits große Fenster sehr leicht öffnen lassen, auch von Kindern. Deshalb ist Kindersicherung bei einem Dachfenster auf jeden Fall wichtig. Worauf man auch nicht verzichten sollte, ist ein Rollladen. Innenrollos sind eher dekorativ und eignen sich gut zur Verdunkelung oder Wahrung der Privatsphäre. Rollläden dagegen schützen effektiv vor Hitze und Kälte und sind übrigens auch das am häufigsten nachgerüstete Zubehör. Viele Bauherren verzichten aus finanziellen Gründen zunächst oft auf Extras, sobald der Raum jedoch einen Zweck erhält, wird doch nachgerüstet. Man denke hier nur ans Homeoffice mit Blendschutz, damit man gut arbeiten kann oder an einen Insektenschutz fürs Kinder- oder Schlafzimmer. Auch ein Regensensor ist sinnvoll, wobei das bei elektrischen Fenstern heute eigentlich schon Standard ist.

Smarte Dachfenster – Marketing oder Mehrwert?

Das ist ganz klar echter Mehrwert. Smarte Dachfenster lassen sich in gängige Smart-Home-Systeme einbinden und automatisieren. Die Fenster können dann zum Beispiel über einen Luftfeuchtesensor reagieren, wenn die Luftfeuchtigkeit zu hoch ist, was gerade im Bad sehr sinnvoll ist. Hinzu kommt die Verknüpfung mit Wetterdaten. Bei Regen schließen die Fenster automatisch, bei großer Hitze können Rollläden rechtzeitig herunterfahren. Zeitschaltungen oder Abwesenheitssimulationen sind weitere Komfortfunktionen und auch in puncto Energieeffizienz und Wartung bieten smarte Systeme Vorteile. Durch automatisierte Lüftung wird bedarfsgerecht gelüftet, ohne dass Fenster unnötig lange offenstehen. Und über Status- oder Wartungsmeldungen lässt sich frühzeitig erkennen, ob etwas nicht mehr einwandfrei funktioniert. Unterm Strich geht es also nicht nur um Komfort, sondern auch um ein Plus an Effizienz und Sicherheit.



Wenn man die Basics betrachtet, was unterscheidet dann ein Dachfenster grundsätzlich von einem Fassadenfenster?

Der Lichteinfall ist deutlich größer, weil das Glas geneigt ist und das Tageslicht viel direkter in den Raum fällt. Dazu kommen aber noch ein paar technische und normative Unterschiede. Ein Dachflächenfenster macht einen Dachraum überhaupt erst als Wohnraum nutzbar, durch Tageslicht und die Möglichkeit zu lüften. Gleichzeitig ist es deutlich stärker beansprucht als ein Fassadenfenster, zum Beispiel durch Schlagregen, Windlasten und die Einbausituation in der Dachfläche. Das stellt höhere Anforderungen an den Anschluss, die Abdichtung und die Planung, als es bei einem klassischen Fenster in der Fassade der Fall ist.

Wie groß sollten Dachfenster denn sein und wie viele solche Fenster braucht ein Dachboden?

Was die Größe von Dachfenstern angeht, da gelten die Vorgaben der Landesbauordnungen. Sie bestimmen, wie viel Fensterfläche ein Raum im Verhältnis zu seiner Grundfläche benötigt. Renovieren Sie einen Bestand, dann sind die Vorgaben oft nicht so starr, aber auch dann sollte man auf jeden Fall 10 Prozent der Grundfläche für Dachfenster planen.

Welche Rolle spielen Dachneigung, Raumtiefe und Position für die Planung?

Neben der geforderten Lichtfläche, die erreicht werden muss, sind auch die Brüstungshöhen entscheidend, um den Absturzschutz einzuhalten. Hier sprechen wir in der Regel von 90 bis 120 Zentimeter. Liegt zum Beispiel ein sogenanntes Lichtband unter dieser Grenze, dann braucht es eine Festverglasung. Die Oberkante sollte bei rund 2 Metern liegen, damit man mit normaler Körpergröße bequem „ins Fenster hineingehen“ kann. Bei flacheren Dachneigungen benötigt man automatisch längere Fenster.

Warum gibt es so viele Dachensterarten? Schwingfenster, Klappschwingfenster, Hochschwingfenster?

Das hängt mit den Komfortansprüchen zusammen. Das Schwingfenster ist die einfachste Konstruktion. Der Flügel schwingt zur Hälfte nach innen und zur Hälfte nach außen. Es ist günstig und weit verbreitet, aber beim Öffnen ragt der Flügel in den Raum und das ist nicht unbedingt komfortabel. Wir stellen immer wieder fest, dass gerade bei Sanierungen eher auf Klappschwingfenster gewechselt wird. Dort klappt der Flügel wie ein Kofferraumdeckel ganz nach außen. Möchte man es zum Beispiel reinigen oder warten, dann kann man es aber auch nach innen schwingen lassen.


Zwei moderne Dachfenster mit Holzrahmen und halb geschlossenen Verdunkelungsrollos in einem hellen Dachgeschossraum. Durch die Fenster fällt Tageslicht ein, während der Blick auf den klaren Himmel zeigt.

DACHFENSTER ARTEN

Die Wahl des richtigen Dachfensters trägt dabei nicht nur zur Wohnqualität bei, sondern bietet auch energetische, sicherheitsrelevante und gestalterische Vorteile, die das Dachgeschoss nachhaltig aufwerten.

© MihailDechev / istockphoto.com


Wann braucht man denn besondere Formen wie einen Lichtkamin? 

Ein Lichtkamin ist vor allem dann sinnvoll, wenn ein sogenannter “kalter Dachboden” überbrückt werden muss. Er transportiert das Tageslicht dann vom Dach durch einen Reflektionsschacht dorthin, wo es gebraucht wird, ohne den Dachboden baulich zu verändern. Aber hier ist es wie mit allen speziellen Anforderungen, und das gilt zum Beispiel auch für einen zweiten Rettungsweg oder einen Dachausstieg für den Schornsteinfeger: Eine gute Beratung ist entscheidend.

Welche Rolle spielt das Material bei der Auswahl der Dachfenster? Gibt es hier Trends?

Bis Mitte der 90er Jahre gab es fast ausschließlich Holzfenster. Seitdem sind Kunststofffenster auf dem Vormarsch. Diese machen bei uns mittlerweile über 90 Prozent der verkauften Fenster aus. Der Vorteil liegt auf der Hand, denn sie sind deutlich pflegeleichter, wartungsärmer und feuchtigkeitsresistent. Und der Bauherr, der trotzdem nicht auf Holzoptik verzichten will, kann bei uns zum Beispiel Kunststofffenster mit 3 verschiedenen Holzdekoren wählen. Aber auch beim Kunststofffenster-Material an sich gibt es Unterschiede. Wir verwenden ein Kunststoffhohlkammerprofil mit einer Stahlarmierung, das nahezu zu 100 Prozent recyclingfähig ist, da man es nach Ablauf der Lebenszeit sortenrein trennen kann. Es gibt aber auch Anbieter, die einen Holzkern mit Polyurethan umgießen und anschließend lackieren.

Welchen Beitrag leisten moderne Dachfenster zur Energieeffizienz und wo liegen die Risiken?

Moderne Dachfenster leisten einen spürbaren Beitrag zur Energieeffizienz. Vorausgesetzt, das Gesamtpaket stimmt. Entscheidend ist dabei weniger das Produkt allein als sein Anschluss an das Dach. Wird dieser nicht sauber und wärmebrückenarm ausgeführt, entstehen genau dort die größten Energieverluste. Energetisch ist der Uw-Wert die zentrale Kenngröße. Zwar wären bei Dachfenstern rechnerisch noch Werte von 1,4 W/(m²K) zulässig, in der Praxis liegen moderne Elemente jedoch deutlich darunter, häufig bei 1,0 oder sogar bei etwa 0,86 W/(m²K). Im Neubau sind die Anforderungen klar über den Wärmeschutznachweis definiert. Im Bestand, in den rund 70 Prozent aller Dachfenster gehen, zeigt sich der Effekt von Förderungen besonders deutlich, denn durch die aktuellen Programme werden hier fast nur noch dreifach verglaste Fenster mit einem Uw-Wert von 1,0 oder besser verbaut.

Stimmt die Ausführung, ist der energetische Gewinn groß. Schlechte Anschlüsse, fehlende Dämmkeile oder unsaubere Anbindungen an die Luftdichtheitsebene aber führen zu Wärmebrücken, Zugerscheinungen oder sogar Schimmelbildung. Moderne Dachfenster sind also eine echte Chance für mehr Effizienz, wenn Planung, Detailausbildung und Montage die gleiche Qualität haben wie das Fenster selbst.

Was ist denn der Uw-Wert eigentlich?

Er kombiniert die Dämmwerte des Rahmen- und Flügelprofils mit dem Dämmwert der Scheibe. Der Uf-Wert beschreibt Rahmen und Flügel, der Ug-Wert das Glas und der Uw-Wert den Gesamtwärmedurchgangskoeffizienten des kompletten Fensters, also das Zusammenspiel aus Rahmen, Flügel, Glas und Randverbund.



Welche Verglasungen sind heute Standard und welche Zusatzfunktionen halten Sie aus Ihrer Erfahrung heraus für sinnvoll?

Heute werden fast nur noch dreifach verglaste Fenster verbaut. Neben dem Uw-Wert gewinnt vor allem der Schallschutz an Bedeutung, nicht zuletzt deswegen, weil in vielen Städten mittlerweile konkrete Schallschutzauflagen gelten. Als Beispiel: Eine klassische Hauptstraße entspricht in der Regel Klasse 3, bei sehr stark befahrenen Straßen, in der Nähe von Flughäfen oder Bahnstrecken ist meist Klasse 4 erforderlich.

Neben dem Schallschutz spielt aber auch der sommerliche Wärmeschutz eine immer größere Rolle. Durch das Fenster dringen Sonnenstrahlen ein, die den Raum aufheizen. Gerade bei Arbeitsplätzen unter Dachfenstern werden deshalb Hitzeschutzgläser mit speziellen Beschichtungen eingesetzt, die den solaren Energieeintrag reduzieren. Ein normales Dachfenster lässt etwa 50 Prozent der Sonnenenergie in den Raum, durch entsprechende Beschichtungen kann dieser Wert auf rund 30 Prozent oder noch darunter gesenkt werden.

3 Planungsfehler auf den Punkt gebracht?

Zu wenig Lichtfläche, die falsche Öffnungsmechanik sowie eine unzureichende Berücksichtigung der Energieeffizienz. Und als vierten und fünften Planungsfehler würde ich sogar noch fehlenden Schall- und Hitzeschutz hinzufügen.

Woran erkennt ein Eigentümer, dass ein Dachfenster ausgetauscht werden muss?

Meist sind es – neben der klassischen Sanierung – mechanische Defekte, die zu einem Austausch führen, also, wenn sich das Fenster nicht mehr richtig bedienen lässt. Und natürlich offensichtliche Schäden wie Fäulnis, Undichtigkeiten, Wassereintritt oder blinde Scheiben. Dann sollte ein Dachhandwerker aber auf jeden Fall vor dem Austausch prüfen, wo die Ursache liegt.


Dachdecker baut Dachfenster ein

DACHFENSTER AUSTAUSCHEN

Was Sie beim Austausch beachten sollten, welche Kosten auf Sie zukommen und was Sie bei Förderungen wie der KfW-Förderung beachten sollten, darauf gehen wir in diesem Artikel ein.

© Sven Böttcher / stock.adobe.com


Wie sieht es mit Wartung aus? 

Hier wird tatsächlich oft erst spät etwas getan, meist dann, wenn ein Schaden bereits entstanden ist. Doch neben ungewarteter Mechanik, die die Lebensdauer eines Dachfensters verkürzen kann, kommen zum Beispiel auch neue Faktoren wie vermehrte Starkregenereignisse zum Tragen. Wenn der Eindeckrahmen, der das Wasser sauber ableiten soll, zum Beispiel durch Laub verstopft ist, dann kann er nicht mehr standhalten und es dringt Wasser in den Wohnraum ein. Alle 3 bis 4 Jahre sollte man eine Sichtkontrolle – auch von der Dachrinne – durchführen lassen. Das geht heute ganz einfach mithilfe von Drohnen. Und man sollte regelmäßig die Dichtungen reinigen und mit einem Beschlagspray behandeln. Denn ein Schaden ist am Ende immer teurer als regelmäßige Kontrolle.

Mit welchen Kosten muss man rechnen, wenn man ein neues Dachfenster plant? 

Für ein Dachfenster mit Rollladen inklusive Einbau muss man in der Regel mit Kosten zwischen 2.500 und 4.000 Euro rechnen. Ein elektrisches Dachschwingfenster kostet rund 500 Euro mehr.


Blick aus einem Schwingfenster

DACHFENSTER PREISE

Mit modernen Dachfenstern holen Sie nicht nur mehr Helligkeit in Ihre Räume, sondern schaffen auch eine einladende Atmosphäre. Bekannte Hersteller sind Velux oder Roto, es gibt aber auch zahlreiche andere. Ein Preisvergleich lohnt sich auf jeden Fall.

© Alexander Shapovalov / istockphoto.com


Welche Rolle spielen hier Förderprogramme?

Die Fördermittel, die derzeit zur Verfügung stehen, lassen sich leicht nutzen. Über die BAFA-Förderung (BEG-EM) gibt es 15 Prozent Zuschuss und zwar nicht nur fürs Fenster, sondern für alle Extras sowie alle damit verbundenen Arbeiten. Als Alternative kann man über das Einkommensteuergesetz 20 Prozent der Ausgaben über 3 Jahre zurückerhalten.


Schrägdach mit mehreren modernen Dachfenstern und grauer Metallverkleidung unter blauem Himmel

DACHFENSTER FÖRDERUNG

Welche aktuellen Fördermöglichkeiten für Dachfenster es gibt, und was sie technisch und formal für den Erhalt erfüllen müssen, sind ebenso wichtige Eckpunkte wie konkrete Tipps zur erfolgreichen Antragstellung.

© Canetti / istockphoto.com


Was war Ihrer Ansicht nach der größte technische Sprung der letzten Jahre?

Eine interessante Neuheit ist ein Dachfenster mit Infrarot-Heizfunktion. Eine spezielle Beschichtung erzeugt über Strom Strahlungswärme, ähnlich wie Sonnenstrahlen. Das ist vor allem dann interessant, wenn ein Dachgeschoss ohne Heizanschluss ausgebaut wird. Für rund 20 Quadratmeter Fläche beispielsweise reichen 2 Fenster. Die Betriebskosten sind zwar höher als bei einer klassischen Heizung, aber es entfällt natürlich auch die Investition für Heizkörper etc. Und gerade in der Kombination mit PV-Strom ist das eine tolle Lösung, denn die Betriebskosten liegen bei etwa 8 bis 12 Cent pro Stunde, abhängig von Strompreis und Heizleistung.

Herr Epping, was denken Sie? Wie wird das Dachfenster der Zukunft aussehen?

Es wird mehr Automatisierung geben. Smarte Gläser – Heizglas oder Gläser, die Strom erzeugen – werden wichtiger. Ein weiterer Trend sind größere Fenster. 1,80 Meter sind heutzutage gar kein Problem und es ist davon auszugehen, dass auch noch größere Formate folgen werden, die trotzdem einfach zu bedienen sind.

Über unsere*n Autor*in
Simone Blaß
Simone studierte Germanistik, Psychologie und Soziologie und absolvierte danach ein Volontariat bei einem lokalen Fernsehsender. Nach Zwischenstationen beim Radio und in einer PR-Agentur arbeitete sie viele Jahre als freiberufliche Redakteurin für Online-Portale und Agenturen.