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Dachabdichtung

DIN 18338: Die Norm für Dachdeckungsarbeit und Dachabdichtung

Kathrina Haunfelder
Verfasst von Kathrina Haunfelder
Zuletzt aktualisiert: 09. Juni 2026
Lesedauer: 24 Minuten
© jpchret / istockphoto.com

Ein Dach muss dauerhaft standsicher und funktionsfähig sein, und das über Jahrzehnte hinweg. Bereits kleine Ausführungsfehler können erhebliche Feuchteschäden, Energieverluste oder Folgeschäden an der Konstruktion nach sich ziehen. Die DIN 18338 bildet in diesem Zusammenhang den vertraglich-technischen Rahmen für Dachdeckungsarbeiten im Sinne der VOB/C. Sie legt fest, welche Bauleistungen für solide Dacharbeiten grundsätzlich zu erbringen sind, welche Anforderungen an Materialien und Ausführung gelten und wie Leistungen auszuschreiben, abzunehmen und abzurechnen sind.

Alles auf einen Blick:

  • Die DIN 18338 gehört als Allgemeine Technische Vertragsbedingung zur VOB/C und deckt Dachdeckungsarbeiten einschließlich zugehöriger Funktionsschichten ab.
  • Regelleistungen sowie Besondere Leistungen, die gesondert auszuschreiben oder zu vergüten sind, definiert die Norm verbindlich.
  • Bei privaten Bauvorhaben gilt sie nur, wenn die VOB/B oder VOB/C ausdrücklich und wirksam vereinbart wurde. Öffentliche Bauprojekte sind bei entsprechender VOB-Vereinbarung grundsätzlich daran gebunden.
  • Für Deckungen regelt die Norm Anforderungen an Stoffe, Ausführung, Anschlüsse, Nebenleistungen und Abrechnung.
  • Die DIN 18338 ersetzt keine objektbezogene Planung und ergänzt die Anforderungen der DIN 18336 für Abdichtungsarbeiten, der einschlägigen Produktnormen sowie der Fachregeln des Deutschen Dachdeckerhandwerks.

Was ist die DIN 18338?

Die DIN 18338 ist die Allgemeine Technische Vertragsbedingung (ATV) der VOB/C für Dachdeckungsarbeiten und regelt die technische Vertragsbedingungen, die Anforderungen an Baustoffe und die Ausführung sowie die Abgrenzung und Abrechnung von Leistungen für Arbeiten am Steildach. [1] Für die konkrete Planung bleiben zusätzlich Herstellervorgaben, Fachregeln, Produktnormen und objektbezogene Nachweise maßgeblich.

Welche Rolle spielt die DIN 18338 in der VOB/C?

Innerhalb der VOB Teil C ist die DIN 18338 die gewerkspezifische ATV für Dachdeckungsarbeiten und legt fest, welche technischen Vertragsbedingungen für dieses Gewerk gelten. Während die VOB/C die technischen Vertragsbedingungen für alle Einzelgewerke bündelt, definiert diese Spezialnorm die Qualitäts- und Leistungsstandards für den Dachdecker.

Welche Leistungen sind in der DIN 18338 für Dachdeckungsarbeiten geregelt? 

  • technische Ausführung: verbindliche Handwerksregeln für den gesamten Dachaufbau
  • Materialqualität: Qualitätsvorgaben zu geeigneten Baustoffen und Bauteilen gemäß CE- und Produktnormen
  • Systemaufbau: Richtlinien für die Montage von Unterkonstruktionen, Unterdeckungen und deren Befestigungsmittel
  • Detailausbildung: Anforderungen an die Regensicherheit von Anschlüssen, Abschlüssen und Dachdurchdringungen
  • Kalkulationssicherheit: exakte Abgrenzung von standardmäßigen Nebenleistungen und gesondert zu vergütenden Besonderen Leistungen
  • finanzielle Abwicklung: einheitliche Grundsätze für das korrekte Aufmaß und die transparente Abrechnung

Welche Arbeiten fallen nicht unter die DIN 18338?

  • Deckunterlagen wie Latten oder Schalungen, wenn sie als Zimmerarbeiten ausgeführt werden
  • Bau gefalzter Metalldächer, die in der Regel den Klempnerarbeiten zugeordnet werden
  • Abdichtungen befahrbarer Flächen und Bauwerksabdichtungen, für die andere Normen einschlägig sind

Damit grenzt die DIN 18338 Dachdeckungsarbeiten klar von anderen Gewerken und Abdichtungsleistungen ab. Sie schafft für individuelle Dachplanungen einen verlässlichen technischen Rahmen für die fachgerechte Ausführung.



Ist die DIN 18338 verpflichtend?

Die DIN 18338 ist eine technische Norm und kein Gesetz und damit nicht automatisch gesetzlich verpflichtend, wird aber verbindlich, wenn sie als Bestandteil der VOB/C wirksam in den Bauvertrag einbezogen wurde. In der Praxis dient sie zudem als wichtiger Maßstab dafür, ob Dachdeckungsarbeiten fachgerecht ausgeführt wurden. Wird die VOB/C in einen Vertrag einbezogen und betreffen die vereinbarten Leistungen Dachdeckungsarbeiten, wird die DIN 18338 zur technischen Vertragsgrundlage. Dies erleichtert im Streitfall die Bewertung, ob eine handwerkliche Bauleistung vertragsgerecht und frei von wesentlichen Mängeln erbracht wurde. 

Geltung der DIN 18338: öffentliche vs. private Bauverträge im Vergleich

Vertragsart Gilt die DIN 18338? rechtliche Einordnung
öffentliche Auftraggeber (Bauverträge mit VOB) ja, in der Regel automatisch Wird ein VOB-Vertrag (insbesondere die VOB/B) vereinbart, werden die ATV der VOB/C einschließlich DIN 18338 automatisch Vertragsbestandteil.
private Bauherren (BGB-Vertrag mit VOB-Vereinbarungsausschreiben) ja, nach wirksamer Vereinbarung DIN 18338 wird erst verbindlicher Vertragsbestandteil, wenn die VOB/B (und damit VOB/C) ausdrücklich und wirksam in den Vertrag einbezogen wurde.
private Bauherren (ohne VOB-Vereinbarung) nein, nicht verbindlich; aber wichtige Orientierung DIN 18338 gilt nicht automatisch, dient Gerichten und Sachverständigen jedoch als wichtiges technisches Referenzdokument und Auslegungshilfe zur Beurteilung der Ausführungsqualität und von Mängeln.

Wofür gilt die DIN 18338 bei Dachdeckungs- und Dachabdichtungsarbeiten?

Die DIN 18338 gilt vorrangig für Dachdeckungsarbeiten an geneigten, regenableitenden Dachflächen und ist von Abdichtungsarbeiten, die in der Regel unter DIN 18336 fallen, klar abzugrenzen. Sie gehört zur Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen und legt fest, was bei Dachdeckungen an geneigten Dächern 

  • geplant,
  • ausgeführt und
  • abgerechnet

werden muss. Neben der eigentlichen Dacheindeckung umfasst die Norm auch bestimmte Funktionsschichten sowie Anschlüsse und Abschlüsse am Steildach. Für Bauherren sorgt dies für klare Vorgaben bei Ausschreibung, Ausführung und Abrechnung der Leistungen nach DIN 18338.

Welche technischen Anforderungen stellt die DIN 18338 an Dachaufbau und Ausführung?

Die DIN 18338 verlangt als primäres Schutzziel eine fachgerechte, dauerhafte und regensichere Ausführung, bei der Niederschlagswasser zuverlässig über das Gefälle abgeleitet wird und nicht in die Dachkonstruktion eindringen kann. Für die dauerhafte Funktion müssen alle Materialien, Schichten und Anschlüsse exakt aufeinander abgestimmt sein und Bauwerksbewegungen, Windlasten, Feuchtigkeit sowie zulässige Toleranzen berücksichtigen. Für die Baustoffe gelten neben den Herstellervorgaben folgende Produktnormen:

  • DIN EN 1304: Dachziegel
  • DIN EN 490: Dachsteine
  • DIN EN 12326-1: Schiefer
  • DIN EN 492/494: Faserzement
  • DIN EN 544: Bitumenschindeln
  • DIN EN 534: Bitumenwellplatten
  • DIN EN 14782/14783: metallische Dach- und Wandbekleidungen (soweit einschlägig und gewerklich passend zugeordnet)

Der Aufbau der DIN 18338 (VOB/C) im Überblick

VOB/C Abschnitt Fokus Kerninhalte
Abschnitt 0 Hinweise für das Aufstellen der Leistungsbeschreibung Ausschreibung & Leistungsverzeichnis:
  • regelt die zwingenden Vorgaben für Planer
  • fordert exakte Baustellen-Angaben wie Dachform, Dachneigung und Traufhöhe sowie Details zu Dachwerkstoffen, Befestigungen und die Kennzeichnung von Leistungsabweichungen
Abschnitt 1 Geltungsbereich der Norm Dachdeckungsarbeiten am Steildach:
  • definiert, für welche Bauleistungen die Norm rechtlich bindend ist
  • umfasst kleinteilige Deckungen an geneigten Dächern und Außenwandbekleidungen
  • reine Abdichtungsarbeiten (z. B. reine Dachabdichtungen bzw. Dacheindeckung am Flachdach) sind ausgeschlossen, hier gilt die DIN 18336
Abschnitt 2 Stoffe und Bauteile Materialqualität & Produktnormen:
  • legt die qualitativen Mindestanforderungen für Baumaterialien fest
  • verweist auf europäische Normen (z. B. DIN EN 1304 für Dachziegel), um die Verwendung minderwertiger Werkstoffe beim Dachaufbau auszuschließen
Abschnitt 3 fachgerechte Ausführung Mängelfreies Handwerk:
  • bestimmt die verbindlichen handwerklichen Regeln für den Dachaufbau
  • enthält Vorgaben zur Unterkonstruktion, wind- und regensicheren Unterdeckung sowie zur Umsetzung und Abdichtung von Dachfenstern sowie von Anschlüssen, Kehlen und Firsten
Abschnitt 4 Nebenleistungen & Besondere Leistungen Kostenabgrenzung und Nachtragsmanagement:
  • unterscheidet, welche Zusatzarbeiten (z. B. Gerüstbau, Notdächer, Musterflächen) als Nebenleistung im Einheitspreis enthalten sind und was als Besondere Leistung extra vergütet werden muss
Abschnitt 5 Aufmaß und Abrechnung Abrechnungsregeln:
  • dieser Abschnitt regelt die Abrechnungseinheiten
  • Flächen werden in Quadratmetern, lineare Bauteile in Metern und Formteile in Stück abgerechnet
  • zudem werden Übermessungsregeln und der Umgang mit Aussparungen definiert


Welche Dacharten werden von der DIN 18338 erfasst?

Die DIN 18338 erfasst geneigte Dachformen, sofern sie mit einer regenableitenden Dachdeckung ausgeführt werden und die konkrete Leistung dem Dachdeckergewerk zugeordnet ist. sofern es sich um eine regenableitende Dachdeckung handelt. Die Norm unterscheidet somit nicht primär nach der geometrischen Bauart oder dem optischen Design des Daches, sondern nach der handwerklichen Ausführungsart. Das bedeutet, dass viele klassische Steildachkonstruktionen von ihr erfasst werden, wenn die konkrete Dachdeckung in ihren Geltungsbereich fällt.

Welche Dacharten werden von der DIN 18338 nicht erfasst?

  • Flachdächer
  • flach geneigte Dächer mit geschlossener Abdichtung
  • extensiv oder intensiv begrünte Dächer

Die DIN 18338 gilt nicht für Dachkonstruktionen, bei denen eine geschlossene Abdichtung die Hauptfunktion gegen Wasser übernimmt. Für solche Dachaufbauten ist in der Regel die DIN 18336 für Abdichtungsarbeiten maßgeblich. Nicht unter die DIN 18338 fallen außerdem reine Glasdächer, industrielle Lichtbandkonstruktionen und bestimmte Konstruktionen aus dem Metall- und Fassadenbau.

WICHTIG
DIN-Regelungen werden regelmäßig überarbeitet und aktualisiert. Wer Dachdeckungsarbeiten plant oder ausführt, sollte sich vorab über den aktuell gültigen Stand der DIN 18338 informieren. 

Für welche Materialien und Dachdeckungssysteme gilt die DIN 18338?

  • Dachziegeln (aus Ton)
  • Dachsteine (aus Beton)
  • Schiefer (Schieferdeckungen in verschiedenen Verlegearten)
  • Faserzement-Dachplatten und Faserzement-Wellplatten
  • Metalldeckungen (großformatige Profile oder Systemelemente, sofern sie nicht als klassische Klempnerarbeit nach DIN 18339 ausgeführt werden)
  • Bitumenschindeln (kleinteilige, überlappende Schindeln, nicht zu verwechseln mit großen Bahnen)
  • Reet und Stroh (traditionelle weiche Deckungen)
  • Unterdeckungen und Unterspannungen (als systemzugehörige Schutzschicht unter der Hauptdeckung)

Die DIN 18338 betrifft Dachdeckungsarbeiten mit regenableitenden Deckungen, soweit diese Leistungen dem Dachdeckergewerk zugeordnet sind. Zugehörige Funktionsschichten wie Unterdeckungen oder Unterspannungen können im Leistungsumfang enthalten sein.

GUT ZU WISSEN
Die DIN 18338 umfasst neben dem Steildach auch Außenwandbekleidungen, sofern klassische Materialien wie Schiefer, Dachziegel oder Schindeln zum Einsatz kommen und die Leistung dem Dachdeckergewerk zuzuordnen ist. Diese Deckung an der Fassade kann aufgrund der Materialverwandtschaft dem Dachdeckergewerk zugeordnet werden. Für die korrekte Vergabe bedeutet das: Eine solche Außenwandbekleidung kann je nach Material und Ausführung nach DIN 18338 ausgeschrieben und abgerechnet werden. Andere Fassadenarten wie Putz sind hingegen als separate Bauleistung über die jeweils zuständigen ATV-Normen zu erfassen.

Welche Anforderungen stellt die DIN 18338 an Unterkonstruktion und Unterdeckung?

Die Unterkonstruktion und Unterdeckung müssen so geplant und ausgeführt werden, dass sie die Dachdeckung dauerhaft tragen, Wind- und Schneelasten sicher ableiten und die Regensicherheit des gesamten Dachaufbaus unterstützen. Je nach Dachaufbau gehören dazu unter anderem Sparren, Pfetten, Holzschalungen sowie die Trag- und Konterlattung. Für Bauherren ist dabei wichtig, dass die sichtbare Dacheindeckung lediglich die äußere Schutzschicht bildet und erst die darunterliegenden Funktionsebenen sichern das Gebäude bauphysikalisch ab. Sie nehmen Windlasten auf, steuern den Feuchtigkeitstransport und gewährleisten eine ausreichende Hinterlüftung des Daches. Die Auswahl der geeigneten Unterdeckung erfolgt immer objektspezifisch und hängt unter anderem von mehreren Faktoren ab:

  • tatsächliche Dachneigung
  • Witterungsbelastung am Standort
  • gewählter Deckstoff und Herstellervorgaben
  • Nutzung des Dachraums, zum Beispiel ausgebauter oder beheizter Wohnraum

Bei modernen, unbelüfteten Dachkonstruktionen (Warmdach) schreibt die Praxis zudem einen exakten bauphysikalischen Nachweis vor, um unkontrollierte Feuchtigkeits- und Tauwasserschäden im Dämmaufbau auszuschließen. Bei belüfteten Konstruktionen (Kaltdach) muss hingegen die ungehinderte Luftzirkulation durch exakt dimensionierte Zuluftöffnungen an der Traufe und Abluftöffnungen am First handwerklich sichergestellt sein.



Welche Anforderungen stellt die DIN 18338 an Anschlüsse, Durchdringungen und Abschlüsse?

Bereich Typische Beispiele Kernanforderung nach DIN 18338
Anschlüsse
  • Schornsteine
  • Giebelwände
  • Dachgauben
  • Wandaufkantungen
  • Anschlüsse an Wände, Aufkantungen oder ähnliche Bauteile sind mit Anschlussstreifen aus Metall auszuführen.
  • Die Anschlussstreifen müssen gegen Niederschlagswasser abgedichtet werden, beispielsweise mit biegesteifen Aluminiumprofilen, die im Abstand von etwa 0,20 Meter befestigt werden.
  • Bei Abdichtungen mit Bahnen ist der obere Randabschluss ebenfalls mit biegesteifen Profilen herzustellen und zusätzlich abzudichten.
Durchdringungen
  • Dachfenster
  • Dunstrohre
  • Antennenmasten
  • Solarthermie- und Photovoltaik-Halterungen
  • Durchdringungen wie Dachfenster, Lüfter, Austritte oder Rohrdurchführungen sind mit Formteilen aus dem gleichen Material wie die Dachdeckung oder handwerklich wasserdicht auszuführen.
  • Ecken, Einfassungen und Abdeckungen erfordern systemgerechte Lösungen mit selbstdichtenden oder indirekten Befestigungen im Überdeckungsbereich.
  • In witterungsexponierten Bereichen sind korrosionsbeständige Befestigungsmittel zu verwenden.
Abschlüsse
  • Traufe
  • Ortgang
  • First
  • Grat
  • Dachkehle
  • Grate sind mit Formteilen oder Kappen auszuführen, Kehlen in der Regel als überdeckte Metallkehlen.
  • Traufen werden mit eingespitztem Fuß und zusätzlichem Blech ausgeführt.
  • Firste können aufgelegt oder mit Schwenkgraten ausgeführt werden.
  • Dachdetails wie Gauben, Pfosten oder Laibungen müssen sich konstruktiv der Flächendeckung anpassen und mit zugeschnittenen Schindeln oder vergleichbaren Elementen hergestellt werden.

Die DIN 18338 fordert, dass alle Anschlüsse, Durchdringungen und Abschlüsse so materialkompatibel und regendicht ausgeführt werden, dass abfließendes Wasser kontrolliert abgeleitet wird. Da an diesen Detailpunkten unterschiedliche Bauteile und Werkstoffe aufeinandertreffen, gelten sie als die schadensanfälligsten Zonen des gesamten Daches und verlangen höchste handwerkliche Präzision. Wird ein Dachfenster zum Beispiel in eine Ziegeldeckung eingebaut, reicht der Blendrahmen allein nicht aus. Erforderlich sind eine passende Eindeckrahmenlösung, eine sichere Einbindung in die wasserführende Ebene und eine fachgerechte Wiederherstellung von Unterdeckung, Lattung und Deckung.

Dachdecker arbeiten an einer Dacheindeckung mit Biberschwanz-Dachziegeln direkt neben einem neu eingebauten Dachfenster. Zwei Dachdecker richten die roten, abgerundeten Tondachziegel in Kronendeckung auf der hölzernen Traglatte aus.
Dachdeckungsarbeiten werden für eine dauerhafte Regensicherheit präzise nach DIN 18338 ausgeführt © brizmaker / istockphoto.com

Welche Pflichten hat der Dachdecker nach DIN 18338 bei Planung und Ausführung?

Der Dachdecker ist nach DIN 18338 verpflichtet, Dachdeckungsarbeiten fachgerecht, dauerhaft funktionsfähig und nach den geltenden technischen Anforderungen auszuführen. Vor Arbeitsbeginn prüft er die Unterkonstruktion, stimmt sich mit anderen Gewerken ab und stellt sicher, dass alle Voraussetzungen für eine mangelfreie Ausführung erfüllt sind. Fehler in dieser Phase zeigen sich oft erst Jahre später und verursachen dann erhebliche Folgeschäden. Während der Dachdeckung trägt er die volle Verantwortung für eine dauerhaft belastbare Konstruktion, die das Gebäude zuverlässig vor Witterungseinflüssen schützt.

Planungspflichten nach DIN 18338

  • rechtzeitige Mitteilung der erforderlichen Maße und Vorgaben, wenn die Unterkonstruktion nicht durch ihn selbst erstellt wird
  • Festlegung von Dachlatten- und Pfettenabständen sowie Vorgaben für Gratleisten, Kehlschalungen und Traufdetails
  • Prüfung der Ausführungsbedingungen auf mögliche Risiken oder Einschränkungen
  • Anzeige von Bedenken gemäß § 4 Absatz 3 VOB/B, beispielsweise bei Feuchtigkeit, Frost, Schnee, Eis, starkem Wind oder ungeeigneten Verlegeuntergründen
  • Verwendung normgerechter Baustoffe und Bauteile entsprechend den Anforderungen der DIN 18338
  • Einhaltung der technischen Vorgaben zu Deckungsarten, Befestigungen, Unterdeckungen sowie Schutz- und Dämmschichten
WICHTIG
Zusätzliche Maßnahmen, die aufgrund ungeeigneter Ausführungsbedingungen notwendig werden, gelten in der Regel als Besondere Leistungen und werden gesondert vergütet.

Ausführungspflichten nach DIN 18338

  • fachgerechte Ausführung der Dachdeckung nach den Vorgaben
  • Verwendung geeigneter und korrosionsbeständiger Materialien sowie Befestigungsmittel, beispielsweise feuerverzinkter Bauteile nach DIN EN ISO 1461
  • Nachweis der Tragfähigkeit und Sicherheit bei selbsttragenden Systemen durch die erforderlichen statischen Berechnungen
  • systemgerechter Einbau von Unterdeckbahnen, Konterlatten, Dampfsperren und Dämmstoffen
  • technisch einwandfreie Ausführung von Anschlüssen, Durchdringungen und Abschlüssen zur Sicherstellung der Dichtheit
  • Herstellung einer dauerhaft belastbaren und funktionssicheren Dachkonstruktion
  • Anfertigung von Musterflächen oder Proben bei Sonderkonstruktionen oder abweichenden Ausführungen, sofern dies erforderlich ist


Wie beeinflusst die DIN 18338 die Ausschreibung von Dachdeckungsarbeiten?

Die DIN 18338 bildet als Bestandteil der VOB/C die verbindliche Grundlage für eine vollständige Ausschreibung von Dachdeckungsarbeiten und legt über ihre Struktur fest, welche Angaben in eine Ausschreibung gehören (Abschnitt 0) und wie Leistungen eindeutig abzugrenzen sind (Abschnitt 4). Ihre technischen Mindestanforderungen werden automatisch zum Vertragsinhalt, sobald in den Ausschreibungsunterlagen auf die Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen verwiesen wird. Das verhindert, dass pauschale oder unklare Formulierungen später zu Streit über den Leistungsumfang führen. Wer die Norm kennt, schreibt präziser aus, bewertet Mängel gezielter und ordnet Haftungsfragen klarer ein.

Wie müssen Leistungsbeschreibungen nach DIN 18338 formuliert werden?

  • vollständige Angaben zur Baustelle: Die Leistungsbeschreibung muss alle für Planung und Ausführung relevanten Rahmenbedingungen enthalten, insbesondere Dachform, Dachneigung, Traufhöhe sowie Art und Beschaffenheit der vorhandenen Unterkonstruktion.
  • konkrete Festlegung der Ausführung: Art der Dachdeckung oder Außenwandbekleidung, Befestigungsart, Überdeckungsform, Farbe und Güte der Deckstoffe sind eindeutig zu bestimmen, damit die geschuldete Bauleistung technisch klar definiert ist.
  • eindeutige Kennzeichnung von Abweichungen: Weichen Schichtaufbauten, Materialien oder Befestigungsarten von den ATV-Regelungen der DIN 18338 ab, müssen diese ausdrücklich als Abweichungen von den ATV beschrieben werden, da die Norm sonst als Mindeststandard gilt.
  • gesonderte Ausweisung von Besonderen Leistungen: Leistungen, die über den Standard-Leistungsumfang hinausgehen (Besondere Leistungen nach Abschnitt 4.2), sind einzeln im Leistungsverzeichnis aufzuführen, da sie zusätzlich vergütet werden müssen.
  • Anpassung an die vorgesehenen Abrechnungseinheiten: Die Leistungsbeschreibung ist so zu gliedern, dass Flächen nach Quadratmetern, Formteile nach Stückzahl und Anschlüsse nach Längenmaß eindeutig erfasst und später gemäß den Abrechnungsregeln (Abschnitt 5) prüfbar abgerechnet werden können. 

Wie wirkt sich die DIN 18338 auf die Abrechnung von Dachdeckerleistungen aus?

  • Dachflächen werden in Quadratmetern erfasst. Die Mengenermittlung reicht bis zur Mitte von First, Grat oder Kehle, Formstücke werden im Regelfall übermessen.
  • lineare Bauteile wie Ortgänge oder Traufen rechnet man nach Längenmaß in Metern ab.
  • einzelne Formziegel und Abschlusselemente werden nach Stückzahl erfasst.
  • Öffnungen und Aussparungen ab 2,5 Quadratmetern zieht man von der Gesamtfläche ab.

Die DIN 18338 legt in Abschnitt 5 verbindliche Abrechnungseinheiten fest und verhindert so, dass Leistungen uneinheitlich oder fehlerhaft vergütet werden. Weicht die Abrechnung von diesen Einheiten ab, muss das ausdrücklich in der Leistungsbeschreibung festgelegt werden. Ohne eine solche Klarstellung gelten die Vorgaben der Norm als verbindliche Grundlage. 

Welche Bedeutung hat die DIN 18338 bei der Abnahme von Dacharbeiten?

Bei der Abnahme entscheidet die DIN 18338 als technischer Maßstab darüber, ob die ausgeführten Dacharbeiten den vertraglich vereinbarten Anforderungen entsprechen. Geprüft wird, ob die verwendeten Stoffe den Produktnormen aus Abschnitt 2 entsprechen und ob die Ausführung gemäß Abschnitt 3 erfolgt ist. Dazu gehören die Einhaltung der vorgesehenen Deckungsart, eine fachgerechte Unterdeckung sowie technisch korrekte Anschlüsse und Abschlüsse. Wer als Auftraggeber die Abnahme vorbereitet, sollte diese Kriterien kennen, um Mängel gezielt benennen und bewerten zu können. 

Wann gilt ein Dach nach DIN 18338 als mangelhaft? 

  • die verwendeten Stoffe entsprechen nicht den zugelassenen Produktnormen
  • die Ausführung weichen von den technischen Anforderungen ab
  • der Auftragnehmer unterlässt eine erforderliche Bedenkenanzeige

Diese Kriterien können eigenständig zur Feststellung eines Mangels führen und sind bei Abnahme und Haftungsfragen gleichwertig zu berücksichtigen.

Welche Schnittstellen hat die DIN 18338 zu anderen Normen und Regelwerken im Dachbereich?

  • Produktnormen für Deckstoffe: Für die Materialgüte gelten strikte Vorgaben, wie die DIN EN 1304 für Dachziegel oder die DIN EN 12326 für Schiefer.
  • Gewerkeabgrenzung (VOB/C): Es besteht eine enge Schnittstelle zur DIN 18336 (Abdichtungsarbeiten). Während die DIN 18338 Dachdeckungen (Ziegel, Schiefer) regelt, übergibt sie flache Abdichtungen und Bitumenbahnen (nach DIN EN 13707) an die DIN 18336. Weitere Schnittstellen bestehen zur DIN 18334 (Zimmerarbeiten) für die Unterkonstruktion und zur DIN 18339 (Klempnerarbeiten) für Entwässerungsarbeiten.
  • Bauphysik & Schutz: Beim Schichtaufbau greift die DIN 4108-3 für den klimabedingten Feuchteschutz (Dampfsperren und Belüftung). Für Verbindungselemente wird über die DIN EN ISO 1461 ein langlebiger Korrosionsschutz (Feuerverzinkung) geregelt.
  • Übergeordnete VOB-Regeln: Die DIN 18299 gilt als Grundnorm für alle Gewerke automatisch mit und regelt allgemeine Abläufe sowie die Abrechnung von Nebenleistungen.

Die DIN 18338 gilt am Dach nicht isoliert, sondern greift eng mit anderen Gewerken und Regelwerken ineinander. Über Abschnitt 2 verweist sie direkt auf relevante Material- und Prüfnormen und sichert so die Qualität der verwendeten Baustoffe.

Wie unterscheidet sich die DIN 18338 von den Flachdachnormen und Abdichtungsnormen? 

Der entscheidende Unterschied liegt im bauphysikalischen Prinzip: Die DIN 18338 regelt die Wasserableitung auf geneigten Dächern durch überlappende Deckstoffe wie Ziegel oder Schiefer, während die DIN 18336 und die DIN 18531 eine lückenlose, wasserdichte Schutzschicht für Flachdächer und Balkone vorschreiben. Flachdächer folgen damit einem grundlegend anderen Ansatz, da ihre Abdichtung auch stehendem oder drückendem Wasser dauerhaft standhalten muss. [2] Die DIN 18336 übernimmt dabei die vertragliche Ausführung als VOB/C-Norm, die DIN 18531 regelt die technische Planung. Neben den DIN-Normen sind für die handwerklichen Ausbauarbeiten am Flachdach in der Praxis zudem die Vorgaben der Flachdachrichtlinie maßgebend.

Nahaufnahme eines Flachdachs mit einer Wasserpfütze, die den Himmel und ein Gebäude reflektiert. Das Dach besteht aus einer grauen Bitumen- oder Kunststoffabdichtung, die an einigen Stellen leichte Unebenheiten aufweist. Einige Blätter und kleine Schmutzpartikel sind auf der Oberfläche verstreut. Die stehende Nässe könnte auf eine unzureichende Entwässerung oder eine mögliche Dachschädigung hinweisen.
Für Flachdachabdichtungen sind insbesondere DIN 18336 als ATV der VOB/C und DIN 18531 als technische Abdichtungsnorm relevant © Michael Vi / istockphoto.com


Vergleich: DIN 18338 vs. Abdichtungs- und Flachdachnormen

Kriterium DIN 18338 (Dachdeckungsarbeiten) Abdichtungsnormen (VOB/C: DIN 18336 / Planung: DIN 18531)
Normen-Typ & Funktion
  • VOB/C Gewerkenorm: regelt vertragliche Ausführung und Abrechnung von handwerklichen Dachdeckungen
  • DIN 18336: VOB/C Gewerkenorm für die Ausführung
  • DIN 18531: reine technische Planungsnorm für Konstruktion und Stoffe
Anwendungsbereich
  • steile Dächer mit klassischen Deckstoffen (Ziegel, Schiefer, Schindeln) sowie deren Unterkonstruktion (Lattung) und Unterspannteile
  • Flachdächer, Balkone, genutzte sowie ungenutzte Dächer, Loggien, Laubengänge sowie Bauwerksabdichtungen (z. B. Kellerwände) ohne handwerkliche Ziegeldeckung
bauphysikalischer Ansatz
  • regensicher: Wasser wird durch die Dachneigung über schuppenförmig überlappende Materialien abgeleitet; keine Beständigkeit gegen stehendes Wasser
  • wasserdicht: nahtlose, geschlossene Schutzschicht, die auch stehendem, drückendem oder anstauendem Niederschlagswasser dauerhaft standhält
Schwerpunkt der Regelungen
  • handwerkliche Deckungsarten (z. B. Doppel-, Kronendeckung)
  • Mindestdachneigungen
  • mechanische Fixierungen (Sturmklammern, Haken, Nägel)
  • mehrlagige Schichtaufbauten (Dampfsperre, Dämmung)
  • Fügetechniken (Schweißen, Verkleben, flüssige Kunststoffe)
  • kritische Detailabdichtungen (Anschlüsse, Gullis)
System
  • betrachtet das Dach als konstruktives Gefüge aus Tragkonstruktion, Holzlatten, Belüftungsebene und der äußeren Deckschicht
  • priorisiert die Funktionsschicht der Abdichtung als stofflich definiertes, geschlossenes System aus Bahnen oder Flüssigabdichtungen
geschuldete Leistung im Bauvertrag
  • Herstellung einer standsicheren, windfesten und wasserableitenden Dachoberfläche
  • Herstellung einer lückenlosen, stofflich homogenen und dauerhaft dichten Wanne bzw. Ebene

Welche Toleranzen und Ausführungsqualitäten definiert die DIN 18338?

Die DIN 18338 („Dachdeckungs- und Dachabdichtungsarbeiten“) definiert keine eigenen, starren Toleranztabellen. Vielmehr bildet sie den verbindlichen Maßstab für die handwerkliche Qualität bei der Ausführung und Erneuerung von Steildächern, indem sie konkrete Materialvorgaben formuliert, einzuhaltende Bautoleranzen regelt und die Anforderungen an die verschiedenen Deckarten definiert.

Ausführungsqualität und Materialvorgaben

Für eine langlebige Dachdeckung fordert die Norm einen lückenlosen Korrosionsschutz aller Befestigungselemente. Zulässig sind feuerverzinkte Bauteile nach DIN EN ISO 1461 oder nichtrostende Stähle nach DIN EN 10088-3. Bei Zusatzschichten konzentriert sich die DIN 18338 auf Unterspannbahnen, Unterdeckbahnen und Unterdächer. Gefordert werden Mindestzugfestigkeiten, Alterungsbeständigkeit und materialabhängige Überdeckungen, um die Regeneintragsicherheit des gesamten Schichtaufbaus zu gewährleisten.

Maßtoleranzen und Bautoleranzen

Mittelbar definiert die Norm somit Toleranzen durch passgenaue Latten- und Plattenabstände, abgestimmt auf den jeweiligen Deckstoff sowie festgelegte Mindestüberdeckungsmaße bei Dachziegeln und Schieferplatten und konkrete Befestigungsabstände (z. B. die Dichte der Klammerung im windbelasteten Randbereich). Konkrete Maß- und Lagetoleranzen ergeben sich bei der DIN 18338 nicht aus eigenständigen Tabellen, sondern aus den geforderten Ausführungsdetails. Für allgemeine Bautoleranzen im Hochbau verweist die Norm zudem auf die DIN 18202 sowie die Grundregeln der DIN 18299.

Deckarten und Werkstoffe

Was bei der Ausführung der Dachdeckung qualitätstechnisch zu beachten ist, hängt wesentlich von der fachgerechten Auswahl und Kombination der Decksysteme ab. Klassische Deckarten wie die Doppeldeckung, Kronendeckung oder Trockenfirstsysteme müssen strikt nach den anerkannten Regeln der Technik sowie den herstellerspezifischen Verlegeanleitungen ausgeführt werden.

Welche Konsequenzen hat es, wenn die DIN 18338 bei Dacharbeiten nicht eingehalten wird?

  • Sachmangel: Wird die DIN 18338 als Bestandteil der VOB/C wirksam vereinbart, kann eine Abweichung einen Mangel begründen. Auch ohne ausdrückliche Vereinbarung kann die Norm als technisches Referenzdokument herangezogen werden, etwa zur Beurteilung der anerkannten Regeln der Technik. Ob tatsächlich ein Sachmangel vorliegt, hängt jedoch vom Vertrag, der geschuldeten Funktion und der konkreten Ausführung ab.
  • Schadensersatz und Minderung: Verweigert der Auftragnehmer die Nachbesserung oder ist diese nicht möglich, drohen Schadensersatzforderungen für Folgeschäden etwa durch Wassereintritt sowie eine Minderung des Werklohns.
  • Haftung für Planer: Hat der Architekt die Vorgaben der DIN 18338 bei der Ausschreibung missachtet, haftet er im Schadensfall gesamtschuldnerisch neben dem ausführenden Handwerker.
  • Verlust des Versicherungsschutzes: Versicherungsrechtliche Folgen sind einzelfallabhängig. Bei grob fehlerhafter Ausführung können Regress- oder Deckungsfragen entstehen; pauschale Aussagen zum Verlust des Versicherungsschutzes sollten vermieden werden.

Welche häufigen Fehler bei Dachdeckungsarbeiten widersprechen der DIN 18338?

Fehler Beschreibung
mangelhafte Windsogsicherung Sturmklammern und Befestigungselemente werden nicht passend zu Windzone, Gebäudehöhe oder Dachform dimensioniert oder ganz weggelassen.
Unterschreitung der Mindestdachneigung Die vorgeschriebene Regenregeldachneigung wird unterschritten, ohne die laut Norm geforderten Zusatzmaßnahmen wie ein wasserdichtes Unterdach auszuführen.
zu geringe Anschluss- und Überdeckungsmaße Anschlüsse an aufgehenden Bauteilen wie Kaminen fallen zu knapp aus, die Höhen- und Seitenüberdeckung der Dachziegel bleibt unter den Normvorgaben.
unzulässige Materialkombinationen Befestigungselemente werden eingesetzt, die chemisch nicht mit dem Deckstoff oder der Unterkonstruktion verträglich sind und zu vorzeitiger Korrosion führen.
fehlerhafte Unterkonstruktion Ungenau ausgeführte Lattenabstände verhindern, dass Ziegel formschlüssig ineinandergreifen, und gefährden so die Regensicherheit des gesamten Dachs.

Welche Vorteile hat die Orientierung an der DIN 18338 für Auftraggeber und Dachdecker?

  • objektive Bewertungsgrundlage für erbrachte Bauleistungen
  • eindeutige Leistungsabgrenzungen mit reduzierten Auslegungsspielräumen
  • mehr Transparenz bei Ausschreibung, Abnahme und Abrechnung
  • geringeres Konfliktpotenzial zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer
  • einheitliches Qualitätsniveau bei allen Dachdeckungsarbeiten
  • höhere Rechtssicherheit im Streitfall durch anerkannte Regeln der Technik
  • langfristige Funktionssicherheit durch konsequente Anwendung der Norm
  • Dokument, das gleichzeitig als Vertragsbestandteil und praxisnaher Qualitätsleitfaden für Dachdeckungsarbeiten dient

Diese 5 Dinge sollten Sie beachten

  1. Wer Dachdeckungsarbeiten nach DIN 18338 plant oder beauftragt, sollte vor allem Vertragsgrundlage, Normausgabe, Sonderkonstruktionen, Produktvorgaben und Abnahmeunterlagen frühzeitig klären.
  2. Lassen Sie Sonderkonstruktionen, beispielsweise bei Sanierungen oder denkmalgeschützten Gebäuden, möglichst detailliert beschreiben. So lassen sich Missverständnisse und spätere Nachträge vermeiden.
  3. Achten Sie darauf, dass die verwendeten Produkte, Herstellervorgaben und Systemzulassungen den Anforderungen der Norm entsprechen. Dies schafft Klarheit bei Gewährleistungs- und Haftungsfragen.
  4. Klären Sie bereits während der Planung, ob zusätzliche bauphysikalische Nachweise erforderlich sind. Dies betrifft vor allem energetische Sanierungen sowie unbelüftete Dachkonstruktionen.
  5. Vergewissern Sie sich vor der Abnahme, dass alle wichtigen Unterlagen vollständig vorliegen. Dazu gehören unter anderem Prüfzeugnisse, Materialnachweise und gegebenenfalls statische Berechnungen.


Fazit

Die DIN 18338 bildet eine zentrale vertraglich-technische Grundlage für die Ausschreibung, Ausführung, Abnahme und Abrechnung von Dachdeckungsarbeiten nach VOB/C, sofern sie wirksam in den Vertrag einbezogen wurde. Sie definiert Anforderungen an Materialien, Deckungen und zugehörige Leistungen und schafft damit verlässliche Rahmenbedingungen für Auftraggeber und Auftragnehmer. Einheitliche Vorgaben machen Angebote vergleichbarer, reduzieren das Risiko von Ausführungsfehlern und erhöhen die Rechtssicherheit während der Bauausführung. Wer die Anforderungen der DIN 18338 von Beginn an konsequent berücksichtigt, legt den Grundstein für eine dauerhaft funktionstüchtige und regensichere Dachkonstruktion.

DIN 18338: Häufig gestellte Fragen 

Ist die DIN 18338 automatisch Bestandteil jedes Bauvertrags?

Die DIN 18338 ist nicht automatisch Bestandteil jedes Bauvertrags, sondern wird grundsätzlich erst dann verbindlich, wenn die VOB/C beziehungsweise die einschlägige ATV wirksam vereinbart wurde. Ohne ausdrückliche Vereinbarung kann sie jedoch als technisches Referenzdokument und Orientierung an den anerkannten Regeln der Technik herangezogen werden.

Gilt die DIN 18338 auch für Sanierungsarbeiten an Bestandsdächern?

Die DIN 18338 kann auch bei Sanierungsarbeiten an Bestandsdächern relevant sein, wenn dabei Dachdeckungsarbeiten neu ausgeführt, erneuert oder technisch angepasst werden. Besonders relevant wird sie bei Teilerneuerungen, wenn alte und neue Bauteile technisch aufeinander abgestimmt werden müssen.

Wer bestimmt die DIN-Normen?

DIN-Normen werden nicht vom Staat festgelegt, sondern im fachlichen Austausch zwischen Praxis und Wissenschaft entwickelt. In Arbeitsausschüssen erarbeiten Fachleute aus unterschiedlichen Bereichen gemeinsam die Inhalte. Dazu gehören Hersteller, Planer, Handwerker sowie Vertreter aus Wissenschaft und Verwaltung. Die Entwürfe werden anschließend öffentlich ausgelegt, sodass auch externe Stellungnahmen einfließen können. Eine DIN-Norm entsteht damit im Konsens der Fachwelt und wird erst nach Abschluss dieses Abstimmungsprozesses veröffentlicht.

Warum sind DIN-Normen im Internet nur eingeschränkt sichtbar?

DIN-Normen sind urheberrechtlich geschützt und daher nicht frei im Internet verfügbar. Das Deutsche Institut für Normung ist ein privatrechtlicher Verein und kein staatliches Organ. Es behandelt seine Inhalte wie Fachpublikationen und finanziert sie hauptsächlich über den Verkauf durch den Verlag DIN Media. Da Normen vor allem im Bauwesen, Handwerk und in der Industrie genutzt werden, gilt das Verursacherprinzip. Wer sie anwendet, trägt zu ihrer Finanzierung bei. Eine kostenfreie Einsicht ist dennoch möglich, etwa in Universitäts- und Landesbibliotheken oder an offiziellen Auslegestellen.

Quellen

[1] „DIN 18338 | 2019-09 VOB Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen – Teil C: Allgemeine Technische Vertragsbedingungen für Bauleistungen (ATV) – Dachdeckungsarbeiten“. Baunormenlexikon.de, f:data GmbH, www.baunormenlexikon.de/norm/din-18338/2009-b07-09d1-47e2-a80b-98e53436e6fe. Zugegriffen 3. Juni 2026.

[2] „DIN 18531-1 | 2017-07 Abdichtung von Dächern sowie von Balkonen, Loggien und Laubengängen – Teil 1: Nicht genutzte und genutzte Dächer – Anforderungen, Planungs- und Ausführungsgrundsätze“. Baunormenlexikon.de, f:data GmbH, www.baunormenlexikon.de/norm/din-18531-1/f94c4a03-1235-44da-b55d-a666a4be1474. Zugegriffen 3. Juni 2026.

Über unsere*n Autor*in
Kathrina Haunfelder
Kathrina Haunfelder arbeitet als Redakteurin für Dachdecker.com und macht komplexes Fachwissen aus dem Dachdeckerhandwerk verständlich. Ihr Studium in Technikjournalismus und Technik-PR vermittelte ihr fundierte Kenntnisse in Physik und Energietechnik, eine wichtige Grundlage für Themen wie Dachdämmung und Wärmeschutz. Ergänzend absolvierte sie eine Ausbildung zur Fremdsprachenkorrespondentin, die ihre sprachliche Präzision weiter schärfte. Mit mehr als 5 Jahren Berufserfahrung führt sie als Redakteurin für Dachdecker.com regelmäßig Interviews mit Branchenprofis und Verbänden und verbindet praxisnahes Wissen mit technischem Hintergrund.